Glenn Brown: Ikonen, Mythen, Klischees

Mit seiner Ausstellung im Kunsthistorischen Museum kehren Glenn Browns Werke in ein künstlerisches Universum zurück, in dem sie entstanden sein könnten. Browns Malerei ist tief verwurzelt in der Kunstgeschichte, ihrer Ikonografie, ihren Mythen und Klischees. Immer wieder bezieht er sich auf die geistigen und bildnerischen Welten der klassischen Malerei, zitiert sie, persifliert sie und erfindet Werke Alter und moderner Meister als auch unbekannter Künstler vergangener Epochen neu, in dem er sie mit konzeptuellen Ideen der modernen und der zeitgenössischen Kunst, Literatur, Film und Musik verwandelt.

 

Die bildnerischen Vorlagen für Browns Metamorphosen, die aus dem Überblenden verschiedener Bild-Referenzen entstehen, sind künstlerische Reproduktionen, die er durch Deformation, Rotation, Umkehrung, Mutation, Dehnen, Retouchieren, Akkumulation und Substituierung von Formen und Farben in seine unverwechselbare, persönliche Bildwelt verarbeitet. Seine bizarren, anachronistisch anmutenden Landschaften, seine ort- und zeitfremden, gleichzeitig aber zeitgenössisch wirkenden Porträts faszinieren und beunruhigen in gleichem Maße. Sie wirken schön und hässlich, ironisch und tragisch, obszön und erhaben zugleich.

 

Was Brown interessiert ist nicht nur kunstgeschichtliche Ikonografie, die Ähnlichkeit und Verwandlungsfähigkeit von Motiven, sondern auch das Phänomen und der Akt des Malens selbst, die Natur und Gesetze der Farbe, ihre atmosphärische und materielle Wirkung, ihre Möglichkeiten und Grenzen.
„Ich male Farbe“ sagt Brown und erklärt die Kunst zu einer Form von geistreicher „Unterhaltung“, Studien für Connaisseurs und Neugierige, die sich von seinen Rätseln faszinieren und verführen lassen. Seine brillanten Glasperlenspiele mit Perspektive und Farbe, Wahrheit und Täuschung irritieren und überraschen den Blick und die Erwartungen des Betrachters. Mit feinen, kalkulierten Pinselstrichen lädt er in seine phantastische Welt der trompe l’oeil Effekte, der Illusionen malerischer Tiefe und realistischer Oberflächengestaltung ein.

 

So respektvoll und präzise seine Auseinandersetzung mit der künstlerischen Tradition ist, so ironisch und voller schwarzem Humor mischt er bildnerische und inhaltliche Konventionen mit Einflüssen der Pop-Kultur auf. „In einem gewissen Grade ist jedes Bild ein kontrolliertes Scheitern“ kommentiert er seine fortwährende künstlerischen Analysen von Erscheinung und Wahrnehmung.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung von Glenn Brown, die zeitgleich mit der großen monografischen Ausstellung zum Werk des Manieristen Giuseppe Arcimboldo stattfinden wird, stehen dessen Porträts, das Porträt wie bei Arcimboldo auch Selbst- und Fremdbild, ein kaleidoskopartig schillernder geheimnisvoller Spiegel der Welt.
 

 

 



Info:
Glenn Brown, zu sehen bis 1. Juni 2008
Kunsthistorisches Museum, Bassano-Saal
Maria Theresien Platz
A-1010 Wien

 

Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr
Do bis 21 Uhr

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