Eberhard W. Kornfeld: Wege der Moderne

Picasso kannte er persönlich, Chagall war sein Freund: Der Auktionator, Galerist und Sammler Eberhard W. Kornfeld wurde dieses Jahr 85 Jahre alt. Die Albertina Wien zeigte mit „Wege der Moderne“ Teile seiner faszinierenden Sammlung, im Verlag Christian Brandstätter ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der die Kornfeld-Sammlung in allen Details beleuchtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Sammler war Eberhard W. Kornfeld schon immer. Bereits als Gymnasiast sammelte der 1923 in Basel geborene Sohn eines Innenarchitekten antike Münzen römischer Kaiser. Nach einer kaufmännischen Ausbildung bei einem Architekten kam er als Volontär zu Dr. August Klipstein nach Bern. Klipstein führte damals das seit 1864 bestehende Auktionshaus H.G. Gutekunst.

 

Eberhard W. Kornfeld war immer mehr als bloß ein Kunsthändler, durch dessen Hände in seiner 57-jährigen Laufbahn Tausende von Grafiken und Gemälden gegangen sind.
Der charismatische Sammler schloss zahlreiche Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern, besuchte Pablo Picasso, Marc Chagall und Sam Francis in ihren Ateliers. Aus der Begegnung mit Chagall entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Doch nicht nur die richtigen Kontakte, auch den richtigen „Riecher“ braucht ein erfolgreicher Galerist und Auktionator. In der Nachkriegszeit konnte man Bilder von Brücke-Künstlern für wenig Geld erwerben.
In Deutschland als entartet beschimpft, in der Schweiz mehrheitlich unverstanden, tätigten einige wenige Kenner, darunter Eberhard W. Kornfeld, wichtige Ankäufe. Eine besondere Beziehung hat er bis heute zu den Werken von Ernst Ludwig Kirchner.
Diesen Künstler hat Kornfeld zwar nicht mehr persönlich kennen gelernt, jedoch dessen Häuser in den 1960er Jahren gekauft. Er sorgte für deren Erhalt und war maßgeblich am Aufbau des Kirchner-Museums in Davos beteiligt.

 

Neben zahlreichen Abbildungen wird der aufwändige Bildband ergänzt durch Texte von Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder, Marian Bisanz-Prakken, Maria-Christina Metzler und natürlich von Eberhard W. Kornfeld – der besonders amüsant beschreibt, wie seine Freundschaft mit Picasso begann: der Meister ließ ihn erst einmal drei volle Tage im französischen Dorf Mougin warten, bis er Kornfeld eine Audienz gewährte.
(Monika Vanecek-Pelz)

 

Info:
Wege der Moderne. Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld.
Herausgegeben von Klaus Albrecht Schröder und Christine Ekelhart.
Mit Beiträgen von: Klaus Albrecht Schröder, Marian Bisanz-Prakken, Christine Ekelhart, Eberhard W. Kornfeld, Maria-Christina Metzler.
295 Seiten, Christian Brandstätter Verlag
ISBN 978-3-85033-264-4, € 49,90

 


 

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