Monet: Licht, Schatten und Reflexion

"Das Aussehen der Welt würde für uns erschüttert, wenn es uns gelänge, die Zwischenräume zwischen den Dingen als Dinge zu sehen". Diese Worte des Philosophen Maurice Merleau-Ponty treffen den Kern von Claude Monets (1840-1926) Kunst in den Schaffensjahren nach 1880 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Der neue Band, der begleitend zur grüßen Monet-Ausstellung in Basel scheint, fokussiert das Buch die Entwicklung Monets zwischen Früh- und Spätwerk.


Nach dem Tod seiner ersten Frau Camille im Jahr 1879 begann für Monet eine Phase der Neuorientierung. Die Zeit als Pionier des Impressionismus war abgeschlossen; seine wachsende wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglichte ihm häufigere Reisen - Monets Werke wurden persönlicher und lösten sich vom impressionistischen Stil.


Im Zuge dieser Auseinandersetzung machte Monet in seiner Kunst zunehmend das gemalte Bild selbst zum Thema: "Ihn interessierte weniger das Motiv als das, was zwischen ihm und dem Motiv passierte", erklärte sein Stiefsohn Jean Hoschedé. Der Maler experimentierte mit wechselnden Licht- und Farbspielen im Verlauf der Jahreszeiten. Durch den Einsatz von Spiegelungen und Schattenwürfen gelang es ihm, magische Stimmungen zu erzeugen. Wiederkehrende Sujets und Orte sind Landschaften am Mittelmeer, wilde Atlantikküsten, Flussläufe, Blumenwiesen, Heuhaufen, Seerosen, Kathedralen und Brücken.


Bereits in Monets erstem Ölbild spiegeln sich Pappeln im Wasser. Der im Buch vorgestellte Ausschnitt seines Schaffens steht daher auch stellvertretend für das Gesamtwerk des französischen Malers. Thematisch aufgeschlüsselt gleicht der Band einer Reise durch Monets Bildwelten – von der Seine zu den Küsten der Normandie und der Bretagne bis hin zur Waterloo Bridge in London sowie der malerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Garten in Givenchy, ergänzt mit zahlreichen klugen Essays.


"Monet – Licht, Schatten und Reflexion" erscheint zum 20-jährigen Jubiläum der Fondation Beyeler, die dem Monet eine große Jubiläumsschau mit mehr als 180 Abbildungen widmet. Die Ausstellung eröffnet am 22. Januar und ist bis Mai 2017 in Riehen/Basel zu sehen.


Info:
Monet - Licht, Schatten und Reflexion
Verlag Hatje Cantz
Hrsg. Ulf Küster, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Text(e) von Maria Becker, Gottfried Boehm, Ulf Küster, Philippe Piguet, James Rubin H.
Deutsch, 2017. 180 Seiten, 130 Abb., gebunden, 27,40 x 31,00 cm
ISBN 978-3-7757-4238-2


Bild rechts oben:
Claude Monet, Nebel über der Themse, Foto: Imaging Department © President and Fellows of Harvard College
Bild links unten: Claude Monet, Seerosen, 1916-1919, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler | Foto: Robert Bayer

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