Damien Hirsts Wunderkammer in Venedig

Sphinxen, Ungeheuer, Monster, muschelüberzogene Buddhas, Löwen, Medusen und anderes Getier kämpfen in Damien Hirsts aktueller Ausstellung "Treasures from the Wreck of the Unbelievable" im Palazzo Grassi um die Gunst des Biennale-Publikums - und dies mit großem Erfolg.


Zehn Jahre lang hat Damien Hirst, der wohl berühmteste Künstler unserer Zeit, an diesem 200 Objekte umfassenden Opus magnum gearbeitet. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die den Besucher fasziniert und gleichsam magnetisch in Hearsts schöne, neue Unterwasserwelt hineinzieht.
Auf den Skulpturen wachsen Korallen und Seemuscheln, krabbeln überlebensgroße Spinnenkrabben und anderes Getier. Imagination ist hier das Zauberwort: ausgehend von sagenumwobenen Schatzschiff "Apistos"  erzählt Hearst die Geschichte des Mythos um einen auf dem Grund des Meeres entdeckten Schatz, der von dem sagenumwobenen Handelsschiff "Apistos", auf Deutsch "Die Unglaubliche", stammen soll. Der Sage nach soll das Schiff mit all seinen Kunstwerken im 2. Jahrhundert nach Christus zwischen dem Horn von Afrika und Sansibar gesunlken sein.


Für Hirsts Exponate braucht es Platz und der ist gerade in Venedig schwer zu finden. Scheinar zentimetergenau ist der "Dämon mit Schale" ins ganze Atrium des Palazzo Grassi hineingearbeitet. Eine 18 Meter hohe Skulptur, die an die Gigantomanie ägyptischer Pharaonen erinnert. Dem Riesen fehlen der Kopf, einige Gliedmaßen und sein Körper ist mit Muscheln, Korallen und was das Meer sonst noch hergibt, überzogen.


Die Exponate antike Göttinen, Wesen der Mythologie, Fabeltiere, Medusen oder auch Zyklopen. Vieles erscheint war, manches wird erst auf den zweiten Blick klar: denn das Tauscher keine korallenüberzogenen Micky Maus geborgen haben, ist ein subversiver Humor, der den meisten Besuchern Begeisterung entlockt. Ob Original oder Kopie: Pharaonen haben plötzlich ein Oberkörper-Piercings, eine klassische Frauenstatue entpupp sich bei genauer Betrachtung als Hermaphrodit - echt oder gefaked? Bei Damien Hirst ist alles möglich.


Martin Béthenod, der Direktor des Museums, hat die Hirst-Ausstellung als eine Art moderne Wunderkammer bezeichnet. Und damit hat er diese Schau auf den Punkt getroffen.


Info:
Treasures from the Wreck of the Unbelievable. Damien Hrist, zu sehen bis 3. Dezember 2017
Palazzo Grassi, Venedig

Back to Top