Museum Judenplatz ehrt Lenny Bernstein

Das Wiener Museum Judenplatz zeigt eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des Stardirigenten und Komponisten Leonard Bernstein, die das Verhältnis des New Yorkers zur Musikstadt Wien in den Mittelpunkt stellt, sich mit den jüdischen Wurzeln des großen Künstlers befasst und ihn auch als politischen Menschen würdigt.

Musikalisch sozialisiert in der Synagoge seiner Kindheit in Boston, ausgebildet in Harvard und beruflich in New York zu Hause, verband Leonard Bernstein eine lebenslange Beziehung mit Wien. Von 1966 bis zu seinem Tod 1990 kam er, vor allem für seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern, immer wieder nach Wien. Bernstein hatte als Jude ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Stadt. In einem Brief an seine Eltern schrieb er im März 1966, also 21 Jahre nach dem Ende der Schoa:


"Ich genieße Wien unglaublich – so sehr man das als Jude überhaupt kann. Es ist hier voller trauriger Erinnerungen und man hat mit so vielen Ex-Nazis (und möglicherweise immer noch Nazis) zu tun; und nie kannst Du Dir sicher sein, ob nicht einer unter denen, die bravo schreien, Dich vor 25 Jahren einfach erschossen hätte. Aber es ist besser zu vergeben, und wenn möglich, überhaupt zu vergessen. […] Euer Wiener Schnitzel Lenny"
Als, wie er sagte, „Therapie gegen deutschen Nationalismus“ trug er in Wien gerne eine Trachtenjacke, brachte den Wiener Philharmonikern – gegen anfängliche Widerstände – den verdrängten Gustav Mahler zurück und vermittelte sogar in der österreichischen Innenpolitik.


Info:
Leonard Bernstein. Ein New Yorker in Wien, zu sehen bis 28. April 2019
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien


Öffnungszeiten:
Mo-Do 10-18 Uhr
Fr 10-14 Uhr
Sa geschlossen
So 10-18 Uhr

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