Gemäldegalerie zeigt Anna Reisenbichler

Der Sammlungsbestand des Kupferstichkabinetts der Gemäldegalerie der bildenden Künste Wien spiegelt auch die gesellschaftliche Situation von weiblichen Kunstschaffenden wider. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts professionalisierte sich die künstlerische Ausbildung für Frauen; ab der Jahrhundertmitte kamen etliche Arbeiten von Künstlerinnen in die Sammlung, seit 1996 werden regelmäßig auch Werke von Absolventinnen der Akademie angekauft.

Aus der Zeit vor 1900 besitzt das Kupferstichkabinett nur rund 20 Handzeichnungen von Frauen. Mit Ausnahme von Angelika Kauffmann und Maria Sibylla Merian erlangten die wenigsten dieser Künstlerinnen wirkliche Bekanntheit; mehrere Töchter der Maria Theresia und die Malerin Gertrude de Pélichy waren der Akademie als Ehrenmitglieder verbunden. Ein ordentliches Studium an der Akademie war keiner dieser Frauen möglich.


Für die Ausstellung bringt Reisenbichler die Handzeichnungen in einen Dialog mit eigenen gestickten Textarbeiten. Das Sticken war über Jahrhunderte eine der wenigen Kunstgattungen, die Frauen ungehindert ausüben durften. So war Merians erste Publikation eine Vorlagensammlung für Dilettantinnen, die sich in ihrer Freizeit dem Zeichnen und Sticken widmeten. Reisenbichlers Arbeiten hinterfragen formal wie inhaltlich die vermeintlichen Kategorien Vergangenheit und Gegenwart, Privatheit und Beruf, Potentialität und Aktualität.


Anna Reisenbichler ist bildende Künstlerin und Kunsthistorikerin. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Prozessen der Informationsgenerierung, deren Dokumentation, Visualisierung und Faktizität; insbesondere interessiert sie die Relation von individuell- biografischem und kollektivem Wissen sowie von Text und Bild.


Info:
Carte blanche für Anna Reisenbichler, zu sehen bis 10. Juni 2019
Gemäldegalerie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2
1010 Wien


Öffnungszeiten:
Mo-So 10-18 Uhr
Di geschlossen

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