Phantastische Welt: Fuchs & seine Villa

Die Otto-Wagner-Villa in Wien-Hütteldorf ist eines der schönsten und wertvollsten Jugendstil-Denkmäler Wiens. Dass die Villa nicht der Abrissbirne zum Opfer fiel und in letzter Minute gerettet werden konnte, verdankt sie Ernst Fuchs. Im Interview mit art-port.cc erzählt der Künstler, wie er die Wagner-Villa gerettet hat.

Der Zeichner und Maler Ernst Fuchs erwarb das Gebäude im Jahre 1972 mit dem lang gehegten Vorhaben, dort seine architektonischen und dekorativen Vorstellungen zu verwirklichen. In der Ausstattung steckt viel Rot und Gold, ein starker mystischer Bezug ist spürbar. Frühester Jugendstil neu interpretiert – die Villa Wagner wurde im Lauf der Jahre zur Villa Fuchs. Eine prächtige Bühne für die Selbstinzenierung des Malerfürsten, der mit sieben Frauen sechszehn Kinder hat. Heute ist das Haus ein Privatmuseum, das für jedermann zugänglich ist und die weltweit größte Sammlung an Fuchs-Werken beherbergt.

Doderers literarische Hommage an die Villa.
Etwas vor der Zeit als Ernst Fuchs "diese merkwürdige Prunkvilla im Haltertal" für sich entdeckte, machte Heimito von Doderer Haus und Garten zum Schauplatz seines letzten Werkes, des "Romanfragments No. 7. Der Grenzwald": "Hier war nun rechts über der Straße am Hange ein Haus zu sehen, ja, eigentlich ein Palast, wie es einen solchen weitum nicht gab. Auf hohen mächtigen Säulen schwebte und schattete das flache Dach, und links wie rechts warf der schwere, über seine Terrasse liegende Mittelbau fast zarte und schmächtige Seitenflügel von sich, deren Wände auf den ersten Blick nur aus buntem Glase bestanden, von schmalen Pfeilern geteilt."

Seit 1988 Privatmuseum & Sammlung.
Vieles an der Villa wurde im Sinne Otto Wagners restauriert, anderes nach Entwürfen von Ernst Fuchs gestaltet und ergänzt. Bewohnt wird die Villa, die ihm lange Zeit auch als Atelier diente, von Ernst Fuchs allerdings nicht mehr.
Mit der Eröffnung der Villa als Privatmuseum und Sammlung Ernst Fuchs 1988 übersiedelte der Meister nach Südfrankreich und lebt und arbeitet heute in Monte Carlo.
Fuchs' Kunst belebt und bevölkert das ganze Haus, von großformatigen eigens für diesen Ort geschaffenen Bildern, Figuren und Objekten bis hin zu von ihm entworfenen Möbelstücken, von Dekorstoffen bis zur Bronzefigur "Königin Esther" auf der Terrasse. Bilder des ganz jungen, am Beginn seiner Karriere stehenden Künstlers präsentieren sich neben neuen Werken, hier sind alle Epochen im Schaffen des Meisters festgehalten, darunter auch zukünftige Projekte.

art-port.cc: Prof. Fuchs wie sind Sie zu Ihrem Traumhaus gekommen?
Ernst Fuchs:
Ich habe die Villa schon als kleines Kind gekannt. Damals ging ich als kleiner Bub sonntags mit meinen Eltern durch den Wienerwald spazieren und wir kamen auch häufig an diesem Haus vorbei – es war ein verwunschener, fast mystischer Ort, der mich magisch angezogen hat. Ich wusste gleich, dass die Villa etwas ganz besonderes ist und habe damals zu meiner Mutter gesagt: „Mama, eines Tages schenke ich dir dieses Haus!“

art-port.cc: Bis Sie einziehen konnten, sollten aber noch viele Jahre vergehen ...
Ernst Fuchs:
Die Villa blieb immer in meinen Gedanken und 1964 hieß es plötzlich, dass dieses Jugendstil-Juwel wegen Baufälligkeit abgerissen werden sollte. Eine Ungeheuerlichkeit! Otto Wagner hat die Villa 1888 als Sommerhaus ganz nach seinen Vorstellungen für sich und seine Töchter gebaut und darin auch gewohnt. Ich glaube aber, glücklich wurde er hier nicht. Seine Töchter zogen aus und das Haus wurde einsam und still. Die Atmosphäre hier hatte immer etwas Steifes, Sakrales, Puristisches und vielleicht ist es auch ein bisschen unheimlich, so nah am Waldrand. 1972 gelang es mir dann nach zähen Verhandlungen endlich die Villa zu erwerben und ohne jegliche Subvention oder Förderung von Grund auf zu sanieren und restaurieren.

art-port.cc: Wie war der Zustand der Villa?
Ernst Fuchs:
Sie glich einer Ruine und war völlig heruntergekommen. Die Böden waren verfault, die Wände völlig kaputt und es gab viele Wasser- und Windschäden. Glücklicherweise sind die einzigartigen Glasfenster von Adolf Böhm, die goldenen Stuck-Ornamente und das Schlangen-Mosaik in den Ecken des Fußbodens erhalten geblieben. Bei der Renovierung, die insgesamt zwei Jahre dauerte, habe ich die Proportionsästhetik, die von Otto Wagner in seinen Plänen vorgegeben war, weitgehend übernommen. Ich habe Möbel entworfen, Fliesen, Intarsien, Geschirr, Toiletten. Verschollener Stil ist die Bezeichnung für eine geheime Kunst, deren Spur ich bei fast allen Völkern und Kulturen, aber auch in der Natur selbst entdeckt habe. Schöpfen heißt Hervorholen aus ewigem Bestand. Im Zuge der Wiederherstellung habe ich den Garten zu einem Skulpturenpark umgestaltet. Der Garten und die gesamte Anlage symbolisieren die Fruchtbarkeit mit einer stark erotischen Ausdrucksweise und in seinem Zentrum befindet sich nun das Brunnenhaus.

art-port.cc: Die von Otto Wagner erbaute psychiatrische Anstalt auf den Steinhof-Gründen soll nun – geht es nach dem Willen der Stadt – umgewidmet und mit Wohnhäusern bebaut werden.
Ernst Fuchs:
Das muss unbedingt verhindert werden! Immerhin ist die Anstalt am Steinhof eine ganz nach den Wünschen und Vorstellungen Wagners ausgeführte, einzigartige Anlage – und ein solches Gelände kann man doch nicht einfach zupflastern und die Harmonie dort mit Neubauten zerstören. Dass dort ganz normale Wohnungen entstehen sollen, kann ich nicht verstehen. Steinhof muss erhalten bleiben – zum Beispiel als Zentrum für Kultur oder als psychiatrische Anstalt.

Info:
Ernst Fuchs Privatmuseum
Hüttelbergstrasse 26
A - 1140 Wien

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10-16 Uhr

Bild rechts oben: Herr der Wagner-Villa: Der Maler und Zeichner Ernst Fuchs
Bild links oben: Die von Otto Wagner 1888 erbaute Jugendstil-Villa
2. Bild von oben, rechts: Ernst Fuchs bei der Arbeit
2. Bild von oben, links Mitte: Der Adolf-Böhm-Salon mit seinen einzigartigen Fenstern
Bild rechts unten: Ernst Fuchs im Gespräch mit art-port.cc Redakteurin Monika Vanecek
Bild links unten: Das von Ernst Fuchs entworfene, farbenprächtige Brunnenhaus im Garten der Villa
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