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Galerie Konzett
Rudolf Polanszky: Hyperbolische Räume
Es ist vielleicht (für einen Dichter) ein glücklicher Zufall, dass „Hyperbel“ wie „Ellipse“ sowohl eine rhetorische wie eine geometrische Figur bedeuten. Während „Ellipse“ im Rhetorischen Weglassen und im Geometrischen eine geschlossene Kurve bedeutet, bezeichnet „Hyperbel“ im Rhetorischen Übertreibungen und im Geometrischen eine offene symmetrische Figur mit zwei Ästen, die wie die Ellipse auf zwei Spiegelachsen beruht. Beide geometrischen Figuren spielen als Grundlage für die nichteuklidische Geometrie eine Rolle, die sich in die elliptische und die hyperbolische aufteilt, also für jene Geometrie, die unseren gewohnten dreidimensionalen Raum, in dem das Parallelenaxiom gilt, außer Kraft setzt.
Es mag rhetorisch eine Übertreibung sein, wenn sich Rudolf Polanszky auf diese Räume beruft, da er sich ja mit seinen Objekten dem gegebenen, der Gravitation unterliegenden Raum unserer unmittelbaren, unsteten Anschauung nicht entziehen kann, im Methodischen seines Arbeitens, das sich unter anderem in ungenauen Symmetrien, Verschiebungen, Transformationen und Spiegelungen entwickelt, ist es ein zutreffender Bezug, der die imaginäre Achse seiner Bestrebungen ins Spiel bringt. Polanszky hat sich ein evolutives System geschaffen, in dem sich sogenannte Kreativität in Selbstkontrolle und Selbstregulierung übersetzt. Es ist aber kein geschlossenes System, denn er nimmt sich jederzeit die Freiheit, neue Elemente in dieses einzuführen (und nennt es: „Erweiterung der Elementarbasis“). Auch die Idee findet in diesem eine Entsprechung, als Einfall tritt sie in Polanszkys Begrifflichkeit zum Beispiel als „Ad-hoc-Synthese“ auf. Im Unterschied zur Konzeptkunst, in der oft eine ärmliche Idee den enormen Aufwand ihrer pompösen Darstellung nicht rechtfertigt, geschieht die Darstellung seiner Vorstellungen bei diesem Künstler im struktural vordefinierten Raum, quasi musikalisch, als ästhetische Draufgabe, die immer auf eine Entwicklungsgeschichte verweist. Die produktive Zeitachse wird nicht selten auch einem unabhängigen Äußeren überlassen, z.B. dem Wetter, das den verwendeten Materialien im Hinterhof des Ateliers zusetzt. Es geht nicht um Bedeutendes, um benennbare Repräsentation oder Satzlogik, sondern um in die Höhe gezogene Geraden, in die Länge gezogene Verstrebungen, Überlappungen, gekrümmte, gefaltete und ineinander geschachtelte und geknüllte Oberflächen, deswegen also der sinnvolle Hinweis auf die struktursensible Mathematik, bzw. Gruppentheorie, wo Symmetrien, Transformationen und Inverse ihre genaue Funktion haben. (Auszug aus einem Text von Benedikt Ledebur, Wien 2010).
Exhibition opening: 3. November 2010

























